Die Wöhler-Stiftung

1846 gründete die Polytechnische Gesellschaft die Wöhler-Stiftung und benannte sie nach ihrem langjährigen Präsidenten, August Anton Wöhler. Zunächst vergab die Stiftung Stipendien an Schüler der Sonntags- und Gewerbeschule, Bildungsinstitutionen der Polytechniker. Später, im Jahr 1870, nach der Gründung der Wöhlerschule durch die Polytechnische Gesellschaft,  erhielt auch diese Schule Zuwendungen. Heute unterstützt die Wöhler-Stiftung ausschließlich die inzwischen städtische Wöhlerschule. Sie fördert deren MINT-Schwerpunkt, also die Fächer Mathematik, Informatik, Naturwissenschaften und Technik.


Neue Dokumentenkameras für die Wöhlerschule

Die Wöhler-Stiftung hat im Berichtsjahr 2018 der Wöhlerschule den Ankauf von drei Elmo-Dokumentenkameras finanziert. Der altbekannte Overheadprojektor hat an modernen Schulen ausgedient, denn es gibt inzwischen bessere Alternativen. Dokumentenkameras können nicht nur die alten Folien an die Wand werfen, sondern alles, was man ihnen vor die Linse legt. Arbeitsblätter, Versuchsobjekte, Zeitungsartikel, Buchinhalte – alles erscheint auf der Leinwand und kann in Echtzeit vor aller Augen bearbeitet werden. Gerade für den mathematisch-naturwissenschaftlichen Unterricht hat das entscheidende Vorteile.

Wurden früher Lösungsskizzen der Hausaufgaben von der Lehrkraft gefertigt, auf Folie kopiert und den Schülern und Schülerinnen vorgelegt, können mithilfe der Dokumentenkameras die Lernenden ihre eigenen Lösungen präsentieren, vergleichen und in der Klasse diskutieren. Das führt zu einer ganz anderen Dimension der Hausaufgabenbesprechung, zu Diskussionen über mögliche Fehler, optimale Lösungswege und falsche oder besonders gelungene Darstellungen. Gerade die Darstellung gewinnt damit an Bedeutung. In der Zeit ohne Dokumentenkameras wurden höchstens Schülerergebnisse vorgelesen oder zeitaufwendig an der Tafel vorgerechnet. Mathematische Sachverhalte nur akustisch aufzunehmen ist jedoch sehr schwer möglich und gerade für diejenigen Schüler und Schülerinnen, die keine oder falsche Ergebnisse gefunden oder sie nicht verstanden haben, wenig hilfreich. Die Dokumentenkameras helfen also, den Unterricht weniger lösungs- als vielmehr prozessorientiert zu gestalten. Darstellung und Nachvollziehbarkeit gewinnen durch sie an Bedeutung. In den 9. und 10. Stufen nehmen die Schüler und Schülerinnen am Wettbewerb „Mathématiques sans frontières“ teil. Der Wettbewerb stellt Kooperation, die Lösungsentwicklung und eine gute Dokumentation in den Fokus. Die Schüler und Schülerinnen arbeiten dabei völlig selbstständig in Gruppen, können einander mit Dokumentenkameras Zwischenergebnisse und Lösungswege präsentieren und im Klassenverband diskutieren. Eine Arbeitsform, mit der sie auch in ihrem zukünftigen Arbeitsleben vermehrt konfrontiert sein werden. Dokumentenkameras können also effektiv helfen, den Unterreicht einen weiteren Schritt von der Lehrer- hin zur Schülerzentrierung zu entwickeln.

Bei der mündlichen Prüfung im Abitur präsentieren die Schüler und Schülerinnen ihren vorbereiteten Teil unter der Dokumentenkamera der Prüfungskommission. Während des Prüfungsgesprächs kann dann unkompliziert auf die Aufzeichnungen eingegangen werden, die Ergebnisse lassen sich außerdem im Laufe der Prüfung weiterentwickeln. Dokumentenkameras unterstützen die Kommunikation und sind deutlich flexibler mit dem, was dargestellt werden kann.

Allein diese drei Beispiele zeigen eindrucksvoll, wie Dokumentenkameras zu einem modernen und schülerzentrierten Unterricht beitragen.

Im Laufe eines Schuljahres lernen die Schülerinnen und Schüler der Bienen-AG alle anfallenden Arbeiten kennen.


Die Wöhlerschule - Rückblick auf 146 Jahre Schulgeschichte

Gründung durch die Polytechnische Gesellschaft

Die Bevölkerungsexplosion der 1870er Jahren stellte die Stadt Frankfurt vor enorme Herausforderungen. Wohnten 1867 noch circa 76.000 Menschen in Frankfurt, so waren es nur acht Jahre später schon über 100.000. Das brachte große Probleme mit sich, unter anderem Schulraumnot. Die Polytechnische Gesellschaft, die sich seit 1816 zum Wohle Frankfurts engagiert und zu diesem Zweck auch die Wöhler-Stiftung gegründet hat, wollte helfen. Um den Druck zu mindern, beschloß sie, eine bis zu acht Klassen umfassende Schule zu gründen. Sie sollte den Namen des langjährigen Präsidenten der Gesellschaft, August Anton Wöhler, tragen. Bei einem Schulgeld von jährlich 40 Gulden war die Schule zwar anfangs nur für die Söhne gut situierter Bürger erschwinglich, gleichwohl traf sie auf eine hohe Nachfrage und startete 1870 mit 48 Schülern. Aufgrund steigender Schülerzahlen musste schon bald neu gebaut werden. In der Neuen Rothofstraße entstand 1872/73 das neue Schulgebäude. 680 Schüler wurden hier in 13 Klassen unterrichtet.

Die Wöhlerschule in städtischer Trägerschaft

Doch die Wöhlerschule blieb nicht lange ein Tochterinstitut der Polytechniker. Zu viele Faktoren machten ihren Verkauf unumgänglich. Einerseits vernachlässigten die Polytechniker ihre anderen Tochterinstitute, da die Schule sie sehr in Anspruch nahm. Andererseits gab es starke und durchaus sinnvolle Bestrebungen das Schulsystem in Frankfurt zu vereinheitlichen. So ging die Wöhlerschule sechs Jahre nach ihrer Gründung für rund eine Million Mark in städtische Trägerschaft über.

Während des zweiten Weltkriegs wurde die Wöhlerschule zerstört: Nach mehreren Quartierwechseln zog sie 1957 an ihren heutigen Standort am Dornbusch.
Seit 1972 können auch Mädchen das Gymnasium besuchen.

Zur Wöhlerschule

Die Wöhlerschule 1873: Gartenseite des Schulgebäudes in der Neuen Rothofstraße. Auf Grund hoher Schülerzahlen musste die Polytechnische Gesellschaft schon zwei Jahre nach der Schulgründung ein neues, größeres Gebäude bauen lassen.


MINT, Musik und Medien - die Wöhlerschule heute

Heute lernen 1.500 Schülerinnen und Schülern an der Wöhlerschule, deren Schwerpunkte auf den naturwissenschaftlichen MINT-Fächern und Musik liegen. Sie ist 2013 als „Umweltschule – Lernen und Handeln für unsere Zukunft“ ausgezeichnet worden, ist eine der „Top 10 Medienschulen“ in Hessen und wurde in den Verein mathematisch-naturwissenschaftlicher Excellence-Center an Schulen e.V. aufgenommen. Sie ist Teil des Netzwerks für nachhaltige Entwicklung (BLK 21) und engagiert sich als UNESCO-Projektschule. 2010 erreichte sie als eine von 20 Schulen die Endrunde des Deutschen Schulpreises. Die Schülerinnen und Schüler nehmen regelmäßig an Wettbewerben wie „Jugend forscht“, „Mathematik ohne Grenzen“ oder dem „Informatik-Biber“ teil und können sich in zahlreiche Arbeitsgemeinschaften, die sich Nachhaltigkeitsfragen, der Technik und den Naturwissenschaften widmen, engagieren. In jedem Jahrgang gibt es zwei Musikklassen, die gemeinsam ein Orchester bilden.

Unterstützung durch die Wöhler-Stiftung

Seit 2007 fördert die Wöhler-Stiftung ausschließlich die Wöhlerschule mit jährlich rund 5.000 Euro. Zu den herausragenden Förderungen gehören der Ankauf eines Flügels sowie die dauerhafte Ausstattung der Bienen-Arbeitsgemeinschaft. Viele weitere Anschaffungen mit Mitteln der Wöhler-Stiftung, wie zum Beispiel Lego-Systeme für die Roboter-AG, moderne Beamer und Mikroskope oder neue Unterrichtsmaterialen für das Mathematikum, ermöglichen einen modernen, anschaulichen Unterricht.

Zur Wöhlerschule

Die Wöhlerschule: Schulhof, Schulgebäude mit Ökohaus. Letzteres wurde von Lehrern und Schülern im Unterricht und in verschiedenen Arbeitsgemeinschaften geplant und 1998 als Niedrigenergiehaus gebaut.


Die polytechnische Familie

Die Polytechnische Gesellschaft hat in den vergangenen 200 Jahren 50 Tochterinstitute gegründet, so auch 1846 die Wöhler-Stiftung. Die Anlässe waren immer aktuell. Verantwortungsvoll und mit dem Wunsch zu gestalten und zu verbessern, nahmen sich die Polytechniker verschiedener Themen an. Einige Tochterinstitute gingen in städtische Trägerschaft über, andere wurden verkauft oder lösten sich wieder auf, um Platz für neue Initiativen zu schaffen. Heute gehören sieben Tochterinstitute zur polytechnischen Familie, die sich - von der Mutter finanziell gefördert - für Kultur, Wissenschaft, Bildung und Soziales einsetzen.

Die Tochterinstitute

Neben der Wöhler-Stiftung engagiert sich besonders die 2005 gegründete Stiftung Polytechnische Gesellschaft für Wissenschaft und Bildung. Sie ist von der Polytechnischen Gesellschaft großzügig ausgestattet worden und spielt in Frankfurt auf vielen Feldern mit. So unterstützt sie auch Kultur und Soziales und ist sowohl fördernd als auch operativ unterwegs. In zahlreichen Stipendienprogrammen hat sie zum Beispiel sei ihrem Bestehen 45.000 Frankfurter Bürgerinnen und Bürger, darunter 1.100 Stipendiaten, gefördert. Der Verein zur Pflege der Kammermusik und zur Förderung junger Musiker e.V., das Kuratorium Kulturelles Frankfurt e.V. und der Kunstgewerbeverein in Frankfurt am Main engagieren sich für Kunst und Kultur und bereichern mit vielen eigenen Veranstaltungen die Frankfurter Kulturszene. Am Institut für Bienenkunde in Oberursel arbeiten Wissenschaftler und Imker gemeinsam daran, das Überleben der Bienen zu sichern. Und das älteste, heute noch aktive Tochterinstitut ist die Frankfurter Stiftung für Blinde und Sehbehinderte, die sich dafür einsetzt, dass Blinde und sehbehinderte Menschen aktiv am gesellschaftlichen Leben teilhaben können.